„...wir waren samt und sonders gegen die Durchführung der Euthanasie-Aktion.” Zur NS-„Euthanasie” im Rheinland

Fachtagung vom 16. bis 18. November 2007 in Andernach
Berichte des Arbeitskreises, Band 5
Arbeitskreis zur Erforschung der nationalsozialistischen „Euthanasie” und Zwangssterilisation (Hg.)
271 Seiten
1. Auflage 2009
ISBN 978-3-932577-54-3
18,00 EUR
Publikation vergriffen, keine Neuauflage

Im Mittelpunkt der vorliegenden Publikation steht die ehemalige „Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt Andernach”, die im Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie”-Aktionen unter anderem die Rolle einer so genannten „Zwischenanstalt” der „Aktion T4” besaß. In dieser Funktion hatte sie vorübergehend die Patienten aus den südlichen Anstalten des Rheinlandes aufzunehmen, welche dann vorwiegend in die Tötungsanstalt Hadamar (weiter-) verlegt wurden.
Das Geschehen am Mittelrhein war jedoch nur ein Teil der rheinischen Geschichte von „Euthanasie” und Zwangssterilisation, weshalb auch andere Ereignisse aus dieser Region ihren Raum in diesem Band bekommen: So werden neben einem Gesamtüberblick zu den Vorgängen im Rheinland das Schicksal der so genannten „Rheinlandbastarde” geschildert und das Schicksal von Patienten der Bergischen Diakonie Aprath aufgezeichnet.
Zu den Vorkommnissen in der Zeit des Nationalsozialismus gehört auch die Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur nach 1945. Hierzu nehmen zwei Beiträge Stellung, die sich u. a. mit den Diskussionen und der Errichtung des Mahnmals in Andernach auseinandersetzen.
Rahmenbeiträge zum Sozialdarwinismus und der Biologisierung des Menschen in der Medizin, der Erbgesundheitsgerichtsbarkeit und NS-„Euthanasie” aus rechtshistorischer Sicht sowie der heutigen Sterbehilfediskussion ergänzen diesen Band 5 der „Berichte des Arbeitskreises”.

Einzelbeiträge
  • Heinz Schott: Sozialdarwinismus und die Biologisierung des Menschen in der Medizin
  • Uwe Kaminsky: „Euthanasie” im Rheinland – Verlegung und Krankenmord
  • Jost Hausmann: Erbgesundheitsgerichtsbarkeit und NS-„Euthanasie” aus rechtshistorischer Sicht
  • Günter Haffke: Die Rolle der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Andernach
  • Georg Lilienthal: „Zwischenanstalt” Andernach 1941. T4-Transportlisten, Rückstellungen und das Urteil des Landgerichts Koblenz von 1950
  • Stefan Elsner: Dr. Johann Recktenwald, Anstaltsdirektor in Andernach 1934-1945
  • Claudia Gesell: Die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Andernach im Spiegel der Öffentlichkeit 1929-1945
  • Reinhard Gilles: Die Hilfsschule Andernach 1920-1945
  • Günter Haffke: Aufruhr in der Anstalt. Die Ereignisse in der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Andernach 1945-1946
  • Paul Petzel: Das Konzept des Andernacher Spiegel-Containers
  • Daniela A. Frickel: „Andernacher Spiegel-Container” – Verwirklichung und Wirkung. Eine Rückschau nach mehr als zehn Jahren
  • Renate Rosenau: Geheime Reichssache: Die Zwangssterilisation der „Rheinlandbastarde” 1937
  • Jürgen Gundalin: Zwangssterilisiert. Die Institution und ihre Opfer. Ein Beitrag zur Geschichte der Bergischen Diakonie Aprath
  • Michael Fuchs: Zur Sterbehilfediskussion heute

„...wir waren samt und sonders gegen die Durchführung der Euthanasie-Aktion.” Zur NS-„Euthanasie” im Rheinland